Fuß- und Zehenbeschwerden: Hallux valgus, Hallux rigidus & weitere Vorfußerkrankungen
Hallux valgus – Schiefstand der Großzehe
Der Hallux valgus (HV) ist die häufigste Deformität der unteren Extremität, vor allem bei Frauen.
Wesentliche Ursachen:
- Genetische Veranlagung
- Modernes, enges, zugespitztes Schuhwerk
Man unterscheidet:
- Hallux valgus interphalangeus – Fehlstellung innerhalb der Zehen-Gelenke
- Hallux valgus – Fehlstellung im Großzehengrundgelenk
Die Fehlstellung im Großzehengrundgelenk ist Ausdruck einer gestörten Biomechanik des Fußes.
Anfangs ist der Hallux valgus oft nur ein kosmetisches Problem. Mit zunehmender Fehlstellung kommt es zu:
- lokalen Schmerzen
- Schuhkonflikt (Druckstellen, Reibung im Schuh)
Therapie Hallux valgus
Zu Beginn sind konservative Maßnahmen möglich:
- Breites, bequemes Schuhwerk
- Orthopädische Einlagen
- Physiotherapie
- Nachtschienen / Korrekturschienen
Die Fehlstellung der Großzehe kann dadurch jedoch nicht rückgängig gemacht werden.
Bei deutlicher Fehlstellung und hohem Leidensdruck ist eine Operation indiziert. Die Operationsmethode richtet sich nach dem Schweregrad der Deformität.
- Spitalsaufenthalt: meist 3–4 Tage
- Narkose: häufig Fußblock (Regionalanästhesie) statt Allgemeinnarkose
- Nachbehandlung: für ca. 6 Wochen Spezialschuh
Hallux rigidus – Arthrose im Großzehengrundgelenk
Der Hallux rigidus ist eine abnützungsbedingte Bewegungseinschränkung des Großzehengrundgelenks.
Fortschreitend kommt es zu:
- bewegungsabhängigen Schmerzen
- eingeschränkter Abrollbewegung
- evtl. Versteifung des Gelenks
- Schwellung und Druckschmerz durch Kapselentzündung
Mögliche Ursachen:
- Verletzungen
- ungeeignetes Schuhwerk
- vorbestehende Fußfehlstellungen
Therapie Hallux rigidus
Abhängig von Leidensdruck und Arthrosegrad:
Konservativ:
- Orthopädische Einlagen
- Schuhmodifikation
- Schmerztherapie
- physikalische Maßnahmen
Operativ:
- gelenkerhaltende (z.B. Cheilektomie) und
- nicht gelenkerhaltende Verfahren (Versteifung/Arthrodese)
Ein Fußblock mit Lokalanästhetikum kann eine Leitungsanästhesie oder Allgemeinnarkose ersetzen.
Zehenfehlstellungen: Hammerzehen & Krallenzehen
Hammerzehen und Krallenzehen zählen zu den häufigsten Zehenfehlstellungen.
Man unterscheidet flexible und fixierte Formen.
- Hammerzehe: Beugefehlstellung im Zehenendgelenk
- Krallenzehe: Überstreckung im Grundgelenk, Beugestellung im Mittel- und Endgelenk
Typische Beschwerden:
- Rötungen
- Druckstellen
- Schwielen / Hühneraugen
Ursachen:
- zu enges Schuhwerk
- Fußfehlstellungen
- rheumatische Erkrankungen
Therapie Zehenfehlstellungen
Solange die Fehlstellung passiv ausgleichbar ist:
- geeignetes Schuhwerk
- Anpassung vorhandener Schuhe
- orthopädische Maßeinlagen
Ziel: Druckentlastung der Zehe und Behandlung der zugrundeliegenden Fußdeformität.
Bei therapieresistenten Beschwerden wird eine Operation empfohlen.
Metatarsalgien – Schmerzen am Vorfußballen
Metatarsalgien sind belastungsabhängige Vorfußschmerzen im Bereich des Fußballens.
Ursachen:
- falsches Schuhwerk
- Fußfehlstellungen (z.B. Spreizfuß)
- höheres Alter
- vorangegangene Operationen an der Großzehe
Charakteristisch sind Schwielenbildungen am Fußballen.
Therapie Metatarsalgie
- Schuhzurichtung
- spezielle Einlagenversorgung zur Druckumverteilung
Morton-Neurom
Das Morton-Neurom ist eine schmerzhafte Nervenverdickung im Vorfußbereich, meist beim Spreizfuß.
Ursache ist eine Mikrotraumatisierung und Einengung der Nerven zwischen den Mittelfußknochen.
Typische Beschwerden:
- plötzlich einschießende, stechende Schmerzen
- meist zwischen dem 3. und 4. Mittelfußknochen, zehennah
- vor allem unter Belastung
Therapie Morton-Neurom
Konservativ:
- Behandlung des Spreizfußes (Einlagen, Schuhanpassung)
- lokale Schmerztherapie
- entzündungshemmende Maßnahmen
- fokussierte Stosswellentherapie
Bei anhaltenden Beschwerden: operative Entfernung des Neuroms.
Digitus quintus varus (Schneiderballen)
Beim Digitus quintus varus weicht die 5. Zehe zur 4. Zehe hin ab und kann sich unter oder über diese lagern.
Häufig tritt diese Deformität begleitend beim Spreizfuß auf.
Therapie Digitus quintus varus
Konservativ:
- Behandlung der Fußfehlstellung (Spreizfußkorrektur)
Operativ:
- bei lokalen Schmerzen und Schwielenbildung
- je nach Befund Weichteileingriffe oder knöcherne Korrekturen
Ganglion am Fuß
Ganglien sind gutartige, flüssigkeitsgefüllte Zysten im Bereich von:
- Sehnenscheiden
- Gelenkskapseln
- seltener im Knochen
Sie werden umgangssprachlich oft als „Überbein“ bezeichnet.
Ursache sind meist chronische Reizzustände und Überbeanspruchung.
Therapie Ganglion
Konservativ:
- Ruhigstellung
- Punktion
Bei Beschwerdepersistenz: operative Entfernung.
In ca. 30 % kann es zu einem Wiederauftreten (Rezidiv) kommen.
Fersensporn
Ein Fersensporn ist eine Verknöcherung im Ansatzbereich der Plantarfaszie (bindegewebige Ausspannung des Fußgewölbes) oder der Achillessehne.
Beschwerden:
- lokaler Fersenschmerz
- Belastungseinschränkung
Therapie Fersensporn
- spezielle orthopädische Schuheinlagen
- lokale Infiltrationstherapien
Bei anhaltenden Schmerzen kann eine Stoßwellentherapie in Verbindung mit EMTT zu Schmerzlinderung führen.
Impingementsyndrom des Sprunggelenks (Soccer’s ankle)
Beim Impingementsyndrom des Sprunggelenks führen:
- chronische Instabilität
- wiederholte Mikrotraumen
zu Knochenanlagerungen (Osteophyten) im Bereich von Sprunggelenk und Schienbein.
Folgen:
- Bewegungseinschränkung im Sprunggelenk
- Schmerzen in der vorderen Bandgrube
- Schmerzverstärkung beim Anheben des Fußes
- eingeschränkte Dorsalextension im Seitenvergleich
- Schwellneigung
Therapie Impingementsyndrom
Konservativ:
- Physiotherapie (propriozeptives Training, Koordinationsübungen)
- Schmerz- und Entzündungshemmer
- Gelenksinfiltration mit Lokalanästhetikum-Kortison-Gemisch
Bleibt die Besserung aus, wird eine operative Versorgung empfohlen.
Mittel der Wahl: arthroskopische Gelenksspiegelung, um das mechanische Hindernis zu entfernen.
Haglund-Exostose
Die Haglund-Exostose ist eine knöcherne Formvariante am hinteren oberen Fersenbein.
Aufgrund der Nähe zu:
- Achillessehnenansatz
- Schleimbeutel
kommt es häufig zu:
- lokalen Entzündungen
- Druckschmerzen
Verstärkt z.B. durch zu enges Schuhwerk.
Therapie Haglund-Exostose
Konservativ:
- angepasstes Schuhwerk
- schmerz- und entzündungshemmende Medikamente
- Kombination aus kombinierter Stosswellentherapie und EMTT
Bei persistierenden Beschwerden: operative Abtragung der Exostose.

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